Busschulung an der Florenbergschule – Kein Chaos mehr im Bus

Kein Chaos mehr im Bus – Florenbergschüler lernen Gefahren kennen

Künzell (ka) – Kein Chaos mehr im Schulbus und an der Bushaltestelle – Dies war das Thema der zweitägigen Busschulung an der Florenbergschule in Pilgerzell, an der 154 Schüler der ersten und zweiten Klassen sowie 15  Schüler der Vorklasse teilnahmen.

Im Musikraum begann es morgens um 8.20 Uhr für zwei Klassen mit dem Videofilm „Kein Chaos mehr im Schulbus“. Gerhard Brink, Moderator der Kreisverkehrswacht Fulda, stoppte immer wieder den Film. Die Kinder sollten erkennen und erklären, welche gefährliche Situation gleich entsteht und wie man diese Gefahren vermeiden könnte. Erschrocken waren die Schüler, als eine schulkindergroße Puppe von einem in die Haltestelle einfahrenden Bus angefahren und heftig umgestoßen wurde, obwohl der „Dummy“ auf dem Bürgersteig stand. Nach dieser theoretischen Information ging es in die Praxis an die Schulbushaltestelle. Abgesetzt stand schon der Schulbus der Firma Rhönperle-Dehler bereit. Die 45 Schüler der beiden Klassen hatten ihre Ranzen schon neben sich abgestellt und warteten auf den Bus.

Der Moderator der Kreisverkehrswacht fragte die Schüler zuerst nach den Schulregeln, die sie beim Aufstellen beachten müssen und verstand es geschickt die Kinder neugierig zu machen, was denn an einer Bushaltestelle alles gefährlich werden kann. Die Kinder erinnerten sich an den Film und konnten das Gesehene gleich in die Wirklichkeit umsetzen. Die beiden begleitenden Klassenlehrerinnen Doris Stiebitz und Ann-Kathrin Heil waren stolz auf ihre Schüler, die sich sofort meldeten und vieles aus dem Unterricht auf die reale Verkehrssituation übertragen konnten.

Der Fahrer des Schulbusses wartete auf das Zeichen zur ersten Spielszene. Acht rot-weiße Leitkegel markierten die Bordsteinkante im Kurvenbereich der Haltestelle. „Was passiert, wenn der Schulbus in die sehr enge Haltestelle einfährt, und ich dicht am Bordstein stehe?“, fragte Gerhard Brink die Schüler. Während des Durchsprechens der Gefahrensituation erschraken die Kinder, als der Bus mit der Karosserie mehr als einen Meter in den Gehweg hinein schwenkte und dem Moderator, der dicht an der Bordsteinkante stand, immer näher kam. Lena aus der 1. Klasse rief erschrocken: „Pass auf! der Bus!“ Jetzt begriffen alle: Man muss mindestens zwei große Schritte von der Bordsteinkante entfernt stehen und immer zum einfahrenden Bus hinschauen.  Die zweite Lektion, das Einsteigspiel. Die Kinder der einen Klasse spielten die Ruhigen, die sich in einer Reihe hintereinander aufstellten und auf ein Kommando zügig vorne in den Bus einstiegen und sich sofort hinsetzten. Die andere gleichstarke Klasse spielte die Drängler, die Schubser, die hinten in den Bus einstiegen. Alle Kinder hatten aus Sicherheitsgründen den Ranzen in der Hand. Die Klassenlehrerin Doris Stiebitz gab das Kommando: „Auf die Plätze, fertig los!“ Das Spiel begann. Am hinteren Buseinstieg wurde es gleich sehr laut und hektisch. Es wurde geschubst und gedrückt. Die beiden Lehrerinnen stoppten die benötigte Zeit. Die Klasse der ruhigen, sich korrekt verhaltenden Schulkinder benötigten nur 38 Sekunden, bis alle saßen. Die Klasse der Schubser und Drängler brauchten mehr als doppelt so lang, nämlich 90 Sekunden.

Die Klassenlehrerin Ann-Kathrin Heil kommentierte: „Unglaublich Kinder, die Stoppuhr beweist es aber: Drängeln macht Stress, und es dauert viel, viel länger!“

Die Kinder erfuhren auch, warum lauter Lärm im Bus gefährlich ist und warum der Busfahrer sich deshalb nicht so gut auf den Straßenverkehr konzentrieren kann. Auch lernten sie, dass nur der Sitzplatz der sicherste Platz im Bus ist und dass Herumlaufen während der Fahrt sehr gefährlich ist.

Viele Schüler, die vorne in den Bus einstiegen, begrüßten mit einem freundlichen „Hallo Achim“ den Busfahrer und andere mit einem netten „Guten Morgen“. Die Schüler erkannten im Rollenspiel, dass schon ein bisschen Freundlichkeit gegenüber dem Anderen, vieles leichter macht und Stress abbaut.

Warum dies so ist erklärte die Zweitklässlerin Aurelle: „Das ist doch unser netter Busfahrer Achim!“

Wie unberechenbar eine Busfahrt werden kann, zeigte die nächste Demonstration. Mit Tempo 20 Km/h befuhr der Bus die Straßen rund um die Schule. Mehrere größere Schüler, sowie die beiden Lehrerinnen standen im Mittelgang und hielten sich mit beiden Händen fest. Plötzlich und ohne Ankündigung führte der Bus ein starkes Ausweichmanöver nach links durch.

Kinder und Erwachsene kippten zuerst nach links und dann wieder zurück. „Unglaublich“, meinte Andreas, „Ich hab‘ mich doch ganz fest an dem Griff gehalten und bin doch auf den Sitz gekippt!“

Alle Kinder mussten sich wieder setzen, denn jetzt sollte der Busfahrer eine stärkere Bremsung aus Tempo 20 Km/h durchführen. Keiner der Schüler wusste, wann die Bremsung erfolgt. Im Mittelgang standen unser Pilgerzeller Dummy, ein Wasserkasten und ein schwerer Schulranzen. Alle Kinder saßen gespannt in den Sitzen und hielten sich mit beiden Händen fest. Plötzlich bremste der Fahrer. Der Wasserkasten rutschte mehrere Meter nach vorne und kippte um. Dem Schulranzen ging es nicht besser. „Ihr seht“, sagte der Moderator zu den staunenden Kindern. „Nur der Sitzplatz ist der sicherste Platz im Bus. Wer stehen muss, weil alle Sitzplätze mit Schülern besetzt sind, muss sich während der gesamten Fahrt an den Haltegriffen festhalten. Am sichersten mit beiden Händen! Ansonsten ergeht es euch so, wie dem Ranzen, ihr fallt um!“ Leon Michel aus der 1. Klasse saß im Rollstuhl und erlebte erstmals welche Gefahren beim Busfahren entstehen können. Er erklärte allen wie toll er dies heute fand, aber auch wie erschrocken er bei der Vollbremsung war.

Was ist ein „toter Winkel“? Gerhard Brink verblüffte die Kinder: „Wetten, dass ich eine ganze Klasse neben dem Bus verstecken kann, ohne dass der Busfahrer die Kinder sieht?“ Anfangs zweifelten viele, weil der Bus ja so viele Rückspiegel hat. Der Busfahrer Achim Dehler sah im rechten Außenspiegel keine Kinder stehen, obwohl die ganze Klasse nur knapp zwei Meter neben dem Bus standen. Die Kinder begriffen und erkannten, warum der „tote“ Winkel so gefährlich sein kann.

Um 10 Uhr begann die Schulung für weitere zwei Schulkassen. Am nächsten Tag kamen die restlichen vier Schulkassen dran. An beiden Vormittagen wurde von dem Busunternehmen Rhönperle-Dehler aus Künzell-Böckels ein Schulbus zur Verfügung gestellt. Dem Busunternehmen liegt auch viel daran, dass die Schüler sich sicherheitsbewusster verhalten. Denn nur so wird die Busfahrt für alle, Schulkinder und Busfahrer, angenehm und sicher. Die Schüler haben viel erlebt, viel gelernt und hoffentlich auch viel behalten.

http://www.kuenzell-aktuell.de/einzelansicht/news/2012/dezember/kein-chaos-mehr-im-bus-florenbergschueler-lernen-gefahren-kennen.html

 

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