Empfehlungen des Staatlichen Schulamtes Fulda

Staatliches Schulamt Fulda

– Empfehlungen für einen gleitenden Übergang zur weiterführenden Schule –

Hinweis: Diese Empfehlungen wurden 1997/98 auf Basis der damals gültigen Rahmenpläne erarbeitet.  Eine Überarbeitung und Ergänzung mit den aktuellen Kompetenzorientierungen und Bildungsstandards ist in Planung.

0. Vorwort

1. Lebensraum Schule

2. Lernen in der Grundschule

3. Betreuter Übergang in weiterführenden Schulen

4. Möglichkeiten der Vorbereitung des Übergangs

5. Die ersten Tage in der neuen Schule

5.1. Der Aufnahmetag als feierliche Einführung

5.2. Schulanfang als Orientierung

5.3. Möglichkeiten der Weiterarbeit im 5. Schuljahr

6. Leistungs- und Wissenstand beim Übergang 4/5

6.1. Deutsch

6.2. Mathematik

6.3. Sachunterricht

6.4. Englisch

Vorwort

Gesellschaftliche Veränderungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf Kindheit. Mediale, soziale, familiäre und kulturellen Einflüsse führen zu neuen Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen. Probleme der Sozialisierung, der Konzentration und des Stillsitzens sind nur einige der Phänomene, auf die Schule mit neuen pädagogischen Impulsen und Unterrichtsmethoden begleitend und steuernd reagieren muß. Nach den Kindergärten waren zunächst die Grundschulen in der Pflicht, andere Wege zu beschreiten. Die neuen hessischen Rahmenpläne versuchen, den heutigen Bedingungen von Schule Rechnung zu tragen. Einige Grundschulen haben bereits damit begonnen, neue Wege in der Unterrichts- und Schulgestaltung zu beschreiten und den Lebensraum Schule kindgemäßer anzubieten. Andere Schulen befinden sich noch in der Planungsphase.

Das vorliegende Arbeitspapier will einerseits den Versuch einer Beschreibung des Lebensraums Grundschule und des Leistungstandes der Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Primarstufe zu Sekundarstufe leisten, andererseits Möglichkeiten eines betreuten Übergangs zu Beginn der Sekundarstufe aufzeigen.

1. Lebensraum Schule

Die Möglichkeiten zur Gestaltung des Lebensraums Schule sind vielfältig und können schon im äußeren Erscheinungsbild einer Schule ihren Ausdruck finden:

  • Die Umgestaltung von Schul- und Pausenhöfen durch Spielgeräte und Bepflanzungen sowie die Einrichtung von Ruhe- und Aktivitätszonen bewirkt einerseits eine Reduzierung von Gewaltpotential und fördert andererseits die Kommunikation und das soziale Verhalten unter den Schülern und Schülerinnen.

  • Die kindgemäße Gestaltung von Klassenräumen erleichtert die Identifikation mit der Lernumgebung. Ansprechende Begrünung, Bebilderung, Raumaufteilung und vielseitige Ausstattung mit Lernmaterialien für die Hand der Schülerinnen und Schüler beeinflussen das Lernverhalten positiv.

  • Feste, Feiern, Regeln und Rituale vermitteln im Sinne gemeinschaftsstiftender Aktivitäten Wertvorstellungen und verstärken angemessenes Sozialverhalten.

  • Die Öffnung von Schulen durch Kooperation mit Eltern und außerschulischen Einrichtungen erhöht die Akzeptanz einer Schule in ihrem Umfeld.

2. Lernen in der Grundschule

Im Mittelpunkt didaktischer und methodischer Unterrichtsgestaltung soll das Prinzip des selbständigen, handelnden und entdeckenden Lernens stehen. Darum erfahren verschiedene Methoden im Unterricht der Grundschule immer größere Verbreitung:

  • Die Arbeit mit Tages- und Wochenplänen verlangt von den Kindern eine sinnvolle Zeiteinteilung, ermöglicht Binnendifferenzierung und selbständiges, kooperatives und selbstkontrolliertes Lernen.

  • Freie Arbeit als Unterrichtsprinzip fördert den Anspruch nach selbständigem, handelndem und entdeckendem Lernen. Als eine weitere Form der Binnendifferenzierung zielt sie auf gemeinsames Tun und soziale Verantwortung, auf die Entwicklung von Selbsttätigkeit und effektiven Lernstrategien ab. Als integraler Bestandteil des Unterrichts trägt sie zum Wechsel der Lernformen bei.

  • Viele Grundschulkinder haben in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit erste Erfahrungen mit bewährten Sozialformen des Lernens gemacht.

  • Wiederkehrende Fixpunkte wie Morgen-, Montags- und Wochenabschlußkreis schaffen ebenso wie das gemeinsame Frühstück und andere „Rituale“ eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens.

  • Eine fächer-, klassen und jahrgangsübergreifende Unterrichtsgestaltung verbindet Inhalte unterschiedlicher Einzelfächer. Es entstehen themenbezogene, fächerübergreifende Vorhaben, die Teamarbeit (unter Schülern und Lehrern) und selbstbestimmtes Lernen verstärken.

  • Rhythmisierungselemente, die an manchen Schulen erprobt werden, wie gleitender Tagesbeginn und „die Abkehr vom 45-Minuten-Takt“, fördern die Anbahnung projektorientierter, offener Unterrichtsformen.

3. Betreuter Übergang in weiterführenden Schulen

Beim Übergang in weiterführende Schulen verlassen Grundschüler ihre gewohnte Umgebung, müssen sich in neuen Bezugsgruppen orientieren, in neuen Gebäuden zurechtfinden und auf neue Fächer mit neuen Lehrerinnen und Lehrern einstellen. Um einen Bruch in der schulischen Entwicklung der Kinder zu vermeiden, Ängste abzubauen und ein angemessenes Umfeld zu schaffen, ist es nötig, die Kinder behutsam mit der Arbeit der Sekundarstufe vertraut zu machen. Für die weiterführenden Schulen sollte auch hier der alte pädagogische Grundsatz gelten, die Kinder dort abzuholen, wo sie sind, damit Übergangsschwierigkeiten möglichst vermieden werden.

4. Möglichkeiten der Vorbereitung des Übergangs

Die ersten Tage und Wochen in der neuen Schule spielen eine besondere Rolle.Die folgenden Beispiele sind als Denkanstöße zu verstehen, um dieses Ziel zu erreichen.

  • Grundschülerinnen und -schüler besuchen in Abstimmung mit der jeweiligen auf-nehmenden Schule den künftigen Unterrichtsort oder melden sich zu einem „Schnupperunterricht“ an.

  • Es empfiehlt sich, daß Kolleginnen und Kollegen von Grund- und weiterführenden Schulen sich gegenseitig im Unterricht besuchen, ihre Erfahrungen über den Leistungs- und Lernzielstand am Ende der Klassen 4 sowie über das vermittelte Instrumentarium der Arbeitstechniken austauschen.

  • Die Klassenlehrerinnen und -lehrer der neuen Klassen 5 treffen sich frühzeitig zu einem Planungsgespräch, um die gemeinsame Arbeit als Team und die Arbeitsthemen und -methoden der ersten Wochen und Monate festzulegen.

  • Die Gestaltung der Aufnahmefeier und des ersten Schultages werden geklärt.

  • Bei der Stundenplangestaltung sollte versucht werden, die Klassenlehrerinnen und -lehrer am Montag in die 1.Stunde zu setzen.

  • Wünschenswert ist zumindest für den/die Klassenlehrer/in als Bezugsperson ein breiter fachlicher Einsatz in der Klasse.

5. Die ersten Tage in der neuen Schule

5.1. Der Aufnahmetag als feierliche Einführung:

Der erste Tag an der neuen Schule ist für die Schülerinnen und Schüler des Übergangs von besonderer Bedeutung. Daher gilt es, diesen Tag auch entsprechend zu gestalten:

  • Schulanfangsgottesdienst, Mitgestaltung durch ältere Schülerinnen und Schüler

  • Festliche Aufnahmefeier (u.U. erhält jede/s Klasse/Kind ein kleines Geschenk, das auch eine symbolhafte Bedeutung haben kann)

  • Aufenthalt im neuen Klassenraum, Verteilung der Plätze nach gewachsenen Beziehungen, gegenseitiges Vorstellen, Austausch von Erwartungen oder Befürchtungen bezüglich der neuen Schule, Vorstellung des Stundenplans

  • Eltern sollten nach Möglichkeit in den Ablauf des ersten Tages einbezogen werden.

5.2. Schulanfang als Orientierung

Für den Unterricht der ersten Woche(n) bietet sich die Durchführung eines Projektes an, in das sich möglichst viele Fächer einbringen können.

Beispiel: Projekt „Unsere neue Schule“

  • Gegenseitiges Kennenlernen und Vorstellen (Anfertigung von Namensschildern, Selbstdarstellungsbilder als Scherenschnitte, Fensterbilder, Erstellung einer Fotocollage)

  • Entwicklung einiger weniger Regeln für den Umgang miteinander innerhalb der Klassengemeinschaft, für die Pause usw. (z.B. Gesprächsregeln / Gesprächskreis)

  • Schulordnung – Klassenordnung, Verteilung von Klassenämtern.

  • Berichte über Erfahrungen z.B. mit „Freier Arbeit“

  • Kennenlernen der Aufgaben des Schülerrates

  • Erörterung der inhaltlichen und methodischen Gestaltung von SV-Stunden

  • Rundgang durch die neue Schule; Kennenlernen der Fachräume, Schülerbücherei, Turnhalle, des Schulsekretariats, der Verwaltung, des Lehrerzimmers, der Hausmeisterloge, der Pausenhöfe mit den Spielmöglichkeiten

  • Ausgestaltung des Klassenraums: Pinnwand, Klassenwandzeitung, Blumen, Bilder, Aquarium, Regale

  • Beginn des Aufbaus einer Klassenbibliothek (incl. Lexika etc.), einer Materialkiste

  • Vorstellung von Lieblingsbüchern

  • Erstellung einer Broschüre „Meine Klasse und ich“

Während dieser Unterrichtsstunden kann sich der Lehrer über die vorhandenen Arbeitstechniken der Schüler informieren, die bisher durch den Wochenplan, die Freie Arbeit und Gruppenarbeit in der Grundschule vermittelt wurden.

5.3. Möglichkeiten der Weiterarbeit im 5. Schuljahr

Der so begonnene Anfang für die neuen Schüler an der weiterführenden Schule sollte im Sinne eines gleitenden Übergangs fortgesetzt werden:

  • Möglichst einmal im Halbjahr sollte in allen Klassen 5 und 6 ein gemeinsame Projekt durchgeführt werden: Fächerübergreifend; Lehrkräfte arbeiten im Team, das Einzelkämpferdasein von 45 Minuten Dauer wird gemildert; die aus der Grundschulzeit bekannten Formen selbständigen Arbeitens werden belebt und beibehalten; differenziertes, das individuelle Lerntempo stärker berücksichtigendes Arbeiten verbunden mit spielerischen Elementen verbessert die Atmosphäre in der Klasse.

  • Das Lehrerteam legt die einzuübenden neuen Arbeitsformen und die Kriterien für die Leistungsmessung in den Fächern fest.

  • Auch Arbeitstermine sollten frühzeitig abgesprochen werden, um eine Häufung zu bestimmten Zeitpunkten zu vermeiden.

  • Hinweise zur Verkehrssicherheit auf den Schulwegen und bei Unterrichtsgängen bzw. Wandertagen werden gegeben und erarbeitet.

  • Wandertage oder andere gemeinsame Unternehmungen von Lehrkräften, Eltern und der jeweiligen Klasse fördern in den ersten drei Wochen gegenseitiges Kennenlernen.

  • Eine kurze Fahrt in die nähere Umgebung mit ein bis zwei Übernachtungen (eventuell mit anderen Klassen 5) sollte im Laufe des Schuljahres folgen.

6. Anmerkungen zu einzelnen Fächern

Für die Grundschulklassen im Einzugsbereich der weiterführenden Schulen derStadt Fulda lassen sich folgende Angaben über den Leistungs- und Wissensstand von Grundschülerinnen und Grundschülern der abgehenden Klassen 4 machen:

6.1.  Deutsch   

6.2.  Mathematik

6.3.  Sachunterricht

6.4.  Englisch

 (Hrsg: Staatliches Schulamt für den Landkreis Fulda  Copyright © 1997/98)

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